Pater Winfried Egler CMM schreibt am 13. April 2005:Heuer war Ostern sehr früh und die Dauer zwischen Weihnachten und Ostern zu kurz. Es hat nicht zu einem Rundbrief gereicht. Darum dieser Brief erst jetzt. Er dient auch gleich zur Information, dass ich Anfang Juni auf Heimaturlaub komme. Drei Jahre vergehen sehr schnell. Und doch ereignet sich vieles in dieser Zeit. Hier, im Land und in der Pfarre, haben sich einige Dinge geändert. Die Osterwoche war wieder ein schönes Erlebnis für alle in der Pfarre. Wie jedes Jahr fuhr ich auch diesmal am Samstag vor dem Palmsonntag nach Port St. John’s am Indischen Ozean (90 km entfernt), um eine Autoladung voll Palmzweige zu holen. Am Sonntag kamen die Leute von allen Außenstationen. Die geweihten Palmzweige sehe ich oft wieder während des Jahres, wenn ich Hausbesuche mache. Die Leute stecken die Palmen in der Hütte ins Gras, mit dem das Dach gedeckt ist. Der Karfreitag ist der große Tag, sicher etwas beeinflusst von den protestantischen Kirchen. Um 11 Uhr begannen wir mit einem Bußgottesdienst. Im Mittelpunkt stand das Kreuz. Das Kreuz, mit dem die Leute während der Fastenzeit auf allen Außenstationen von Haus zu Haus gegangen sind und für die Leute und ihre Anliegen gebetet haben. Und auch das Kreuz, an dem Jesus für unsere Sünden gestorben ist. Gleich danach folgte der Gottesdienst der sieben Worte Jesu am Kreuz. Über jedes Wort predigen dann die Gottesdienstleiter, die die kirchliche Sendung haben. In früheren Jahren war das eine Domäne der Männer. Viele Diskussionen über dieses Thema bringen langsam ein Umdenken unter den Leuten. Aber wir haben nach wie vor das durch die Tradition der Leute bedingte Problem bei Begräbnissen: Erwachsene, vor allem Männer, sollen nicht von Frauen beerdigt werden. Aber die Umstände werden auch hier langsam eine Änderung bringen. Manche der vielen Begräbnisse, die wir wegen AIDS haben, müssen auch von Frauen geleitet werden. Am Samstag in der Osternacht wurden 10 Erwachsene getauft. Darunter war ein 70-jähriger Mann. Ich bin sicher, dass ihm diese Gnade seine Frau vom Himmel erwirkt hat, die sich zu ihren Lebzeiten sehr für den Religionsunterricht der Kinder engagiert hat. Am Sonntag nach dem Gottesdienst kam seine Tochter zu mir und fragte, was sie tun solle, denn sie möchte wieder zur Kirche zurückkommen. Das sind die Früchte der Gebete, die aber in umgekehrter Richtung gehen, nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten. Nelson Mandela, obwohl er schon in der Pension ist, gibt immer wieder wegweisende Zeichen fürs Land. Vor einigen Monaten ist sein einziger Sohn gestorben, 54 Jahre alt und Rechtsanwalt. Er hat es nicht verheimlicht, dass sein Sohn an einer AIDS bedingten Krankheit gestorben ist. Vielleicht macht das Schule, dass auch bei Begräbnissen offen geredet wird. Und vielleicht bekommen mehr junge Leute den Mut, sich testen zu lassen. Von den 5,4 Millionen HIV/Aids-Kranken wissen nur 15 Prozent von ihrem Zustand. Woran erkennt man einen Südafrikaner? An der einen Hüfte hat er ein Handy hängen und an der anderen Seite eine Pistole. Bis 31. März hat die Regierung eine Amnestie erlassen für jene, die freiwillig ihre illegalen Waffen abliefern. Man spricht von 10 Millionen unerlaubten Waffen in den Händen der Bevölkerung. Davon haben bis zum abgelaufenen Termin nur etwa 12.000 von dieser Amnestie Gebrauch gemacht. Wer jetzt erwischt wird, kommt bis zu 25 Jahren Höchststrafe hinter Gitter. Wie kann bei einer solchen Bewaffnung der Leute die Kriminalität zurückgehen? Unsere Provinz, die Eastern Cape, ist immer oder meistens an erster Stelle, wenn es um krumme oder schlechte Dinge geht. Wie zum Beispiel die Maturaresultate. In unserer Provinz fallen jedes Jahr etwa 50 Prozent durch. Am 31. März ist noch ein anderer Termin abgelaufen. Irgendjemand, der in irgendwelche Schwindeleien verwickelt war und sich freiwillig gemeldet hat, dem wurden alle „Sünden“ erlassen. Der Staat verliert im Jahr über eine Milliarde Rand durch Betrug und Schwindel der Bürger. Viele Pensionen werden an Leute ausgezahlt, die schon längst gestorben sind oder überhaupt nie gelegt haben. Das gleiche geschieht mit Unterstützungen für Waisen, Kinderbeihilfe, Kranke usw. Die größten Schwindelzentren sind Soweto bei Johannesburg, Durban, Port Elizabeth und Umtata mit 41.000 identifizierten Regierungsangestellten. In Umtata und Umgebung sollen allein 20.000 (zwanzigtausend) verhaftet werden. Wohin mit ihnen? Da kommen alle Ämter zum Stillstand. In den letzten zwei Wochen haben auch wir hier mit großer Anteilnahme die Krankheit unseres Hl. Vaters und seinen Tod verfolgt. Nur ganz wenige Leute auf dem Land haben Fernsehen. Und Rom ist weit weg „über dem Meer“. Aber trotzdem waren sie dankbar für diesen Papst. Nun beten wir für einen neuen Papst. Unseren Kardinal von Durban haben sie auch ausgefragt, wer wohl der neue Papst sein wird. Ein Afrikaner? Im Konklave geht es wie beim Elferschießen im Fußball: Man weiß nicht, in welche Ecke der Ball geschossen wird. Unsere Leute hier haben keine Sonderwünsche, ob schwarz oder weiß, ob progressiv oder konservativ, ob Österreicher oder … Sie möchten einfach einen Hirten haben. Bis in nicht allzu lange Zukunft herzliche Grüße Ihr P. Winfried Egler CMM |